McTree
Vergleich von Modellierungsansätzen zur Bewertung des klimatischen Anbaurisikos für Baumarten in Bayern
Laufzeit: 2025–2026
Gefördert durch: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus
Der Klimawandel stellt die Forstwirtschaft vor die Frage, welche Baumarten auch in Zukunft noch erfolgreich angebaut werden können. In Bayern liefert das Bayerische Standortinformationssystem (BaSIS) der Bayerischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft (LWF) hierzu eine wichtige Entscheidungshilfe: Es stellt Anbaurisikokarten bereit, die das klimatische Risiko für verschiedene Baumarten bewerten und als Entscheidungsgrundlag für die Baumartenwahl dienen können.
Diese Risikobewertung basiert auf Artverbreitungsmodellen, die den Zusammenhang zwischen dem Vorkommen einer Baumart und klimatischen Bedingungen beschreiben. Daraus wird eine Vorkommenswahrscheinlichkeit abgeleitet und in fünf Risikoklassen übersetzt – von „sehr gering“ bis „sehr hoch“. Das Anbaurisiko einer Art ist umso höher, je geringer die modellierte Vorkommenswahrscheinlichkeit an einem Standort im Vergleich zu aktuell besiedelten Flächen ausfällt.
Da die Risikoklassen unmittelbar von der modellierten Vorkommenswahrscheinlichkeit abhängen, schlagen mögliche Defizite im zugrunde liegenden Modell direkt auf die Risikobewertung durch. Im Projekt McTree (Akronym für „Model Comparison of the cultivation risk for TREE species“) wurde deshalb untersucht, ob ein grundlegend anderer Modellierungsansatz zu ähnlichen oder abweichenden Risikobewertungen führt – und welchem Ansatz mehr vertraut werden kann.
Dazu wurde das derzeit im Bayerischen Standortinformationssystem (BaSIS) eingesetzte Generalisierte Additive Modell (GAM) mit einem prozessbasierten Pflanzenwachstumsmodell (TTR.PGM) verglichen. Der Vergleich umfasste neun forstlich relevante Baumarten: Fichte, Weißtanne, Rotbuche, Stieleiche, Waldkiefer, Elsbeere, Edelkastanie, Libanon-Zeder und Roteiche.
Die Übereinstimmung der Anbaurisikokarten zwischen GAM und TTR.PGM war insgesamt mäßig und variierte stark zwischen den Baumarten. Bei Elsbeere und Libanon-Zeder stimmten die Bewertungen weitgehend überein. Bei Waldkiefer, Fichte, Rotbuche und Stieleiche traten dagegen teils erhebliche Abweichungen auf, wobei die BaSIS-GAMs in der Regel höhere Risikoklassen vorhersagten als die TTR.PGMs. Dies ist konsistent mit der im Übertragbarkeitstest beobachteten geringeren Sensitivität der GAMs für geeignete Klimabedingungen.
Angesichts des besseren Abschneidens der TTR.PGMs in verschiedenen durchgeführten Modelle-Evaluationen erscheint eine Berücksichtigung TTR.PGM-basierter Anbaurisiko-Bewertungen in BaSIS sinnvoll. Eine Integration beider Modellansätze könnte die Robustheit der Risikobewertung erhöhen und die Modellunsicherheit für Forstpraktiker transparenter darstellen.
Ansprechpartner: Dr. Timo Conradi